∞ Hier bei plautze ∞
Freitag, 23. Oktober 2026
16:09

Die Nachbarin bekommt jetzt echt 20 Eurönchen mehr im Monat.
In Lettland.
Nach zweifacher Anreise mit doppelt bestätigter Präsenz, monatelangem Spiessrutenlaufen, kopieren&drucken von Dokumenten, Bescheinigungen, Gedöns.
Die Gute ist fast 70 und hat keine Ahnung.
Wir drucken, kopieren und ich werde abgefüttert mit einer Karte an unbekannten Gerichten für die ich selbstverständlich sofort abheiraten und wegziehen würde.
Das Beste ist dieses unverschämt geniale Schwarzbrot, selbst unfrisch und als in Plastik verpacktes Lebensmittel absolut erstrebenswert.

Sie ist zwar unter der eisernen Ära aufgewachsen, aber glauben Sie mir: so ganz wirklich ostfreundlich war die selbst als geborene Lettin noch nie, da hatten die ganzen baltischen Staaten auch damals schon kein Interesse dran.
Und jetzt, nach Jahren der Unabhängigkeit, schon gar nicht.
Natürlich, wer will denn Unterdrückung, Mangelwirtschaft und Repressalien.
Die Balten wussten schon immer wie das läuft: im Krieg, nach dem Krieg und vor Allem hinter dem Eisernen Vorhang.

Ein Nachbar hier im Dorf ist Arbeitskollege und Litauer, ehemaliger Offizier der französischen Armee und hat einen *sehr* interessanten Blick auf die aktuellen Entwicklungen in militärischer Hinsicht. Ab&An gehen wir auch mal privat 1 abtrinken und ich versuche ihn beim Schach über den Tisch zu kriegen.
Bei ihm, also da schneiden die Russen nicht gut ab.

Lesen Sie den Kyiv Independant und die Ukrainska Pravda.
Was Sie da immer ganz vorne finden sind die baltischen Staaten.
Die kennen die Nachbarn, die wissen wie das läuft.
...

Ich gebe Ihnen einfach nur die große Antonov als Beispiel.
Ein Flugzeug dass die Russen entwickelt und gebaut haben, damals noch auf Antwort des amerikanischen Space Shuttle: die Antonov 225 war ursprünglich Trägerflugzeug der Raumfähre Buran (ein anderer Ansatz als der amerikanische: statt Raketenstart ein Flugzeug dass die Raumfähre ins All bringt).
Das Erste was die Russen fertiggebracht haben: sie haben den Heimatflughafen der Antonov 225 in Hostomel (nahe Kiew sowie das Flugzeug selbst) zerstört. Die 225 galt damals als "ukrainischer Botschafter des Friedens" und war nach der militärischen Nutzung das seinerzeit grösste zivile Frachtflugzeug der Welt.
1 Monster wenn Sie das Teil jemals selbst gesehen haben.
Wenn Sie mich kennen wissen Sie dass ich durch einen Freund die Möglichkeit hatte, im LuxTower einen Flug der Antonov nicht nur zu verfolgen sondern auch im zivilen Flugfunk zu begleiten und zumindest teilweise zu landen.
Es ergab sich dann später auch noch die Möglichkeit, die komplette Besatzung zu treffen und den Nachmittag (sehr angenehm) zu verbringen.

An und für sich war der Vorfall in der Weltpresse nur ein weiterer Angriff auf einen weiteren Flughafen (damals wurde nicht zwischen militärisch und zivil unterschieden). Die Unterscheidung zwischen militärisch und zivil macht Russland übrigens bis heute bei keinem Angriff: Egal ob Krankenhaus, Kindergarten oder Marktplatz: Hauptsache Bomben, Hauptsache Terror. Vor weniger als zwei Monaten wurde ein harmloser ukrainischer Markthändler von einer russischen Drohne auf seinem Marktstand von einer russischen Drohne in Echtzeit umkreist, verfolgt und getötet, vor laufender Kamera.

Ein ganz normaler Obstverkäufer der keinerlei Bedrohung darstellt.
Einfach so, weil es geht.
Und sowas kotzt mich an.
...
~
...

Als ich dann bereits in der ersten Woche der Invasion die komplette Zerstörung sowohl des Flughafens als auch der 225 durch Videos der Crew sah, da wurde mir erstmals klar was uns als westliche Gesellschaft erwartet:
Das war kein zufälliger Treffer auf einen zivilen Flughafen. Das war etwas ganz Anderes.
Die gezielte und bewusste Zerstörung kultureller, sozialer und gesellschaftlicher Werte.
Natürlich ist der Ukraine ein enormer wirtschaftlicher Schaden entstanden; wichtiger war aber die Signalwirkung: wir zerstören auch unsere eigenen Entwicklungen, und zwar dort wo es weh tut, international und interkulturell.
Ohne Rücksicht auf Verluste.
...

[19:29]
...

Drohnen und AI waren damals wohl noch nicht wirklich das Thema, standen aber - im ernsthaften Rückblick und auch hinsichtlich der rasanten Entwicklung der digitalen Infrastruktur - auch nicht mehr wirklich in den Sternen.
Das war abzusehen, das hätte man erkennen können.
Nur das selbst akkreditierte Militärforscher sich erst zu Wort meldeten als das Kind schon im Brunnen ersoffen war.
Niemand hatte das so schnell kommen sehen, weil: irnzwer muss ja das Bad putzen und den Müll runterbringen, und ist die Waschkarte für das Auto jetzt voll und was hat Aldi im Angebot.

Wir haben alle zusammen auf die Benzinpreise geschaut, Ihre Plautze übrigens eingeschlossen.
Viel zu sehr beschäftigt mit dem eigenen Kosmos als dass ich mich um die Belange der Welt kümmern könnte.

Und jetzt haben wir einen Strassenschläger mit der Mentalität einer Ratte, eine Ratte mit der Mentalität von Donald Duck und ein Problem mit dem Spritpreis.
Weil Donald Duck ausser dem Strassenschläger keine Autorität wirklich versteht, die Ratte von der Strasse diese Situation genau kennt und ausnutzt - und die beiden tanzen, tanzen, tanzen.
Auf dem Vesuv der Welt, so habe ich manchmal die Befürchtung, weil beide hemmungslose Psychopathen sind die keiner aufhalten kann.
...

Der neue Super-Läppi entpuppt sich als erstaunlich effektiv. Die persönlichen Daten der Azubis bleiben natürlich aussen vor, und die Frühstücksbrötchen muss ich immer noch selber schmieren.
Aber den Rest macht der Rattermann. Die tatsächliche Zeitersparnis pro Tag schätze ich mal auf 25-40 Minuten, wenn man das etwas sportlich betreiben will (und davon bin ich diese Woche mal ausgegangen) geht wenigstens die Hälfte der Mittagspause drauf, ich komme aber auch etwa 25 Minuten.
Aber wer will schon Mittagspause, ist eh nur lappiger Salat von der Tanke oder nen trockenes Baguette wenn man zu spät aufläuft.

Naja, jedenfalls kann er was und hat auch Standvermögen. Das letzte Teil wollte nach 4nenHalb Stunden geladen werden, der hier schafft den ganzen Tag und hat noch Reserve.

Und glauben Sie mir: er sieht *GUT* aus.
Ganz viel mehr schlank als wie ich, hmhm.

Und leicht, das ist nen echter Vorteil bei dem ganzen Geschleppe jeden Tag.
...

Kurzes Intermezzo vom Mietshaus:
Der Kollege aus dem Studio nebenan bringt es doch tatsächlich fertig den Vermieter anzurufen und 1 Aufstand zu machen weil die Nachbarn vom 2. Stock (die erst kurz eingezogen und noch am Renovieren sind) es gewagt haben die Treppe am Samstag nicht zu putzen.
Und was macht der Vermieter?
Genau.
Klingelt mich letzten Samstag morgens früh aus dem Bett, fragt wieso die Heizung nicht funktioniert.
Über ne halbe Stunde Smalltalk und noch nicht mal ne Tasse Kaffee vor dem Aufstehen.
Und dann noch mal am Samstag Mittag.
Nach&nach kommt dann die Sache ans Licht.

Wir wohnen quasi Tür an Tür, der kleine Saubatz und ich - als grosser Junge, vielleicht sollte ich ihm mal einen kräftigen Schubs verpassen wenn er das nächste Mal die Treppe runtergeht?
Drei Stockwerke, mit 130 Kilo Anschub im Nacken, das sollte reichen bis zur Gosse.

Der ist nämlich nicht unbekannt, das kleine Arschloch: schon vor 20 Jahren hat er in einem anderen Mietshaus die Putzfrau schikaniert wenn sie nur 10 Minuten zu spät angefangen hat.

Es gibt auch noch ne böse Vorgeschichte von hier, mit der liebsten Nachbarin vom 2. Stock (die jetzt leider voriges Jahr verstorben ist). Dast Ding ist jetzt gut drei Jahre her.
Wir hatten beide einen Verdacht, the neighbour&me, konnten aber damals nix beweisen obwohl ich ihn zur fraglichen Zeit einmal morgens früh beim Rumschnüffeln gesehen hatte - und er mich auch, er wusste also genau dass ich ihn ertappt hatte.

Der soll sich nicht noch mal bei irgendwas erwischen lassen, so toll ist sein aktueller Status hier im Land nämlich nicht, war es nicht bei uns als er damals die Schulung gemacht hat und ist es auch jetzt nicht beim aktuellen Schäff.
Wirklich viele Möglichkeiten hat er dann nicht mehr, und wenn er sich noch mehr leistet kann er vlt. einfach wieder abhauen, vielleicht gefällt es ihm zuhause ja besser? Da haben nämlich auch die ganz hohen Mietshäuser Treppen, sogar mit Fresken, und er kann als professionelle Putzkraft anheuern. Dann ist es aber aus mit weissen Hemden und Busfahrerattitüden.
Die Sozialkompetenzen waren hier schon nicht enorm, werden bei der neuen Arbeitsbeschreibung aber sowieso keine grosse Rolle spielen.
Da kann er dann jeden Tag Treppen schrubben, jeden Tag und Mülltonnen sichten (da scheint er was von zu kennen) und zeigen was er wirklich draufhat. Presto.

Er muss nur aufpassen wenn er zuhause das Maul aufmacht.
Weil nämlich alldieweil in Italien grad die Faschisten was zu melden haben: Meloni wird ihm schon den Marsch blasen wenn er aus der Reihe tanzt, nur vielleicht nich so wie er das gern hätte.
...

[16:46]
Okay, ich weiß ja ich sollte das professioneller angehen. Aber was er sich damals mit der Nachbarin Teresa geleistet hat bringt mich heute noch auf die Palme.
Mann, was für ein Arschloch, und sowas als Nachbar.
...

~

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